Allzu
oft sind die Neuigkeiten über die arabische Welt negativ,
wenn nicht sogar tragisch, die Not der Palästinenser ist
dafür ein Beispiel. Wenn erfreuliche Ereignisse stattfinden,
die noch dazu auf einen höheren moralischen Standpunkt verweisen,
ist das ein Grund zur Freude. Ein solcher Anlaß ist die
offizielle Eröffnung der historischen Bibliothek in der ägyptischen
Stadt Alexandria am 16. Oktober dieses Jahres.
Der ägyptische
Präsident Hosni Mubarak erklärte auf der großen
offiziellen Veranstaltung vor 3000 Würdenträgern und
führenden Persönlichkeiten aus aller Welt: Heute
feiern wir die Wiedereröffnung der Bibliothek von Alexandria.
Mit der Wiedererrichtung knüpfen wir an das geschichtliche
Erbe dieser Region an. Hier entstanden Religionen und lebten
die Propheten, die ewige Werte der Toleranz und Koexistenz predigten.
Diese Region war Ausgangspunkt von Befreiungsbewegungen und Phasen
der Aufklärung in Geschichte und Zeit."
Unter
Verweis auf die Nahostregion, welche immer schon Blutvergießen
und Konflikte erlitt", sprach sich Mubarak für eine
Beendigung der Gewalt auf allen Seiten und einen sofortigen Frieden
aus. Weiter sagte er: Hier, wo wir die Großartigkeit
der Vergangenheit und die Erhabenheit der Geschichte sehen können,
können wir alle zu einer Welt des Verstehens, der Koexistenz,
des Friedens und der Sicherheit aufrufen, denn das ist es, was
unsere Kinder lächeln läßt. Das ist es, was Fröhlichkeit
verbreitet und das Streben der nachfolgenden Generationen inspiriert.
Lang lebe der noble Nutzen und die Bedeutungen, die die Bibliothek
mit ihrer Eröffnung wiederbelebt."
Die
edlen Werte und Bedeutungen" der Bibliothek von Alexandria
beinhalten vor allem die Verpflichtung, diese großen Ideen
zu verbreiten, die der Mensch in seiner Geschichte, in seinem
unerbittlichem Kampf, die Gesetze des Universums zu meistern
und die Bedingungen des Menschen zu verbessern, entwickelte.
Die Bibliothek von Alexandria war nicht bloß eine unter
vielen alten Institutionen, die das Altertum hervorbrachte. Sie
war das Vorbild einer Bildungseinrichtung, die man damals wie
heute braucht, um Genies zu heranzubilden. Zugleich war sie Vorbild
eines interkulturellen Dialogs, eines freien und fruchtbaren
Austausches von Ideen unter großen Geistern, von Kulturen
und Zivilisationen.
In
der Geschichte entstanden zahlreiche kulturelle Einrichtungen,
die sich der Aufgabe verpflichtet fühlten, den Fortbestand
des wissenschaftlichen Fortschritts beweisen. Dazu zählen
die Akademie von Athen, die großen Madrasas der islamischen
Renaissance, die Klosterschulen des mittelalterlichen Europas,
die Brüder des gemeinsamen Lebens des De Groote, das Humboldtsche
Bildungssystem, die französische Ecole polytechnique, um
nur ein paar zu nennen. Von Anfang an waren die größten
Fortschritte in sozialen Fragen mit Kulturen und Zivilisationen
verbunden, deren Herrscher die Bedeutung der Bibliotheken herausstellten:
Durch die Einrichtung von Bibliotheken konnte die griechische
Kultur Gelehrsamkeit in weite Kreise ausstrahlen. Im Islam stifteten
die gro