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Das Toschka Projekt - Toshka Project zurück

 
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ÄGYPTEN Wo heute Wüste ist, sollen mit Hilfe eines riesigen Wasserprojekts in zehn Jahren drei Millionen Menschen in modernen Städten leben und arbeiten.

Ein Geschenk an zukünftige Generationen

Ägypten geht in Zusammenarbeit mit arabischen Golfstaaten daran, die Wüste in einen Ort menschlicher Aktivität und Produktion zu verwandeln. Das schon vor einigen Jahren angelaufene Vorhaben zeigt, daß der Mensch auch bisher unbewohnbare Gegenden der Erde gezielt immer mehr mit Leben erfüllen kann.

Mit dem Projekt "Toschka" im Südtal oder Neuen Tal sollen große Wassermengen des Nils aus dem Nassersee hinter dem Assuan-Staudamm in die Wüste westlich des Sees und weiter nach Norden in einen Landstreifen parallel zum Nil geleitet werden. In Toschka werden Städte, Industrie- und Landwirtschaftszentren gebaut, und in zehn Jahren sollen dort drei Millionen Menschen leben.

Wie ein ägyptischer Fernsehkommentator betonte, unternehme die ägyptische Zivilisation erstmals in der Geschichte einen großen Schritt außerhalb des Niltales. Bisher leben die fast 70 Millionen Ägypter auf nur 5% der Landesfläche: auf einem schmalen Streifen entlang des Stromes und in seinem Mündungsgebiet.

Am 12. Januar weihte Staatspräsident Hosni Mubarak die Wasserpumpstation — wahrscheinlich die größte der Welt — für Toschka ein. Die erste von zwei Einheiten der gewaltigen Mubarak-Pumpstation, die den Betrieb aufnahm, pumpt Wasser aus dem Nassersee in den Scheich-Zayed-Kanal und wird 10000 Feddan (4046 ha; l Feddan = 0,4046 ha) bewässern. Das Gebiet wird im Laufe des Jahres auf
60 000 Feddan ausgeweitet. Insgesamt sollen in der ersten Projektphase etwa 600 000 Feddan kultiviert werden.

Die Pumpstation wurde so konstruiert, daß sie Erdbeben und extremen Wetterbedingungen standhält. Der Bau kostet etwa 1,5 Mrd. Ägypt. Pfund (450 Mio. Dollar), und die Kapazität beträgt 25 Mio. Kubikmeter täglich. Die Pumpstation könnte dem Nassersee das Wasser selbst dann noch entnehmen, wenn zehn Jahre lang Dürre herrschte, weil sie es aus 147 Meter Tiefe heraufholen kann. Das Wasser des Sees kann 182 Meter hoch steigen.

Die beiden von Präsident Mubarak eingeweihten Einheiten der Pumpstation werden Wasser in die Zweige l und 2 des Scheich-Zayed-Kanals pumpen und 220 000 Feddan bewässern. Finanziert wurde der Bau des 50 km langen Kanals weitgehend mit Zuschüssen und Darlehen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Zweig 1 bedient 100 000 Feddan, die zum landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekt der "Kingdom Company" gehören, die mehrere hundert Millionen Dollar in diese Vorhaben investiert. Der Direktor der Kingdom-Holdinggesellschaft ist der saudische Prinz Walid Bin Talal. Der andere Zweig des Kanals bedient 120000 Feddan, die ägyptischen Unternehmen gehören.

Die Mubarak-Pumpstation hat 21 Einheiten, die in Japan entworfen wurden. Jeden Monat sollen davon zwei neue in Betrieb gehen, bis im Juli alle arbeiten. Der Minister für Bewässerung und Wasserreserven, Dr. Mahmoud Abu Zeid, erklärte dazu, bisher habe man etwa
4 Mrd. Ägypt. Pfund (l Mrd. Dollar) für das Toschka-Projekt ausgegeben, und zwischen 70 und 90% der Arbeiten seien abgeschlossen.

Das Toschka-Vorhaben soll insbesondere junge Ägypter ermuntern, aus dem engen Niltal wegzuziehen, Arbeitsmöglichkeiten für sie schaffen und späteren (Generationen eine Zukunft sichern. Etwa 60 000 Feddan) sollen an jüngere Menschen verteilt werden, denen Großunternehmen Arbeitsmöglichkeiten bieten. Man will modernste landwirtschaftliche Methoden einsetzen, und ein Großteil der Agrarprojekte wird von jungen Absolventen von Universitäten und Technischen Hochschulen betreut werden. In Toschka sollen auf
800 000 Feddan 18 Städte entstehen.

Zur Landwirtschaft sollen Bergbau und Metallindustrie hinzukommen, weil die Region reich an Mineralien und anderen Rohstoffen ist. Strom wird der Assuan-Staudamm liefern. Moderne Straßen existieren bereits, und sobald es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, sollen Bahnverbindungen zu anderen Städten entstehen. Nördlich von Toschka liegen einige Oasen, u.a. die Oase Al Kharga, die schon über eine bedeutende Bergbau- und Stahlindustrie und Eisenbahnverbindungen zum Niltal und nach Port Safaga am Roten Meer verfügen.

Präsident Mubarak besichtigte eine Testfarm, die Obst und Gemüse in alle Welt exportieren soll. Mehrere solcher Farmen arbeiten bereits seit zwei Jahren (solange der Kanal noch kein Wasser führte mit Brunnenwasser). Mubarak besuchte auch ein Wasserforschungszentrum.
Nach Angaben von Elektrizitätsminister Dr. Hassan Younis kostet die Stromversorgung für Toschka 450 Mio. Ägypt. Pfund. Mehrere Umspannwerke mit Kapazitäten zwischen 50 und 250 MW sollen entstehen.

Bei Toschka sollen auch Fischfarmen eingerichtet werden, die mehr als 5000 Tonnen Fisch jährlich liefern. Schon seit einigen Jahren wird Überschwemmungswasser aus dem Dammreservoir in die Toschka-Senke umgeleitet, so daß südlich des Industrie- und Agrarzentrums ein großer See entsteht.

Ministerpräsident Dr. Atef Ebeid sagte, Toschka solle dazu beitragen, daß das Land sich selbst mit Nahrungsmitteln versorgen und die Exporte steigern könne. Es sei das Geschenk des Präsidenten an zukünftige Generationen in Ägypten.

Hussein Askary

Quelle: Neue Solidarität Nr. 4, 22.01.2003
Das Toschka Projekt - Toshka Project

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